3 December 2012

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Institut für Zeitgenossenschaft (IFZ)

1 December 2012

Neue Bilderwelten

Analoge Fotografie ist manchmal besser. Sogar in der Hitze Afrikas. Denn "36 Möglichkeiten" lösen unendliches Knipsen zugunsten eines konzentrierten und aufmerksamen Aktes ab, meint Fotografin Marie Köhler. Doch sie stellt sich der Herausforderung nicht, um eine weitere Afrika-Reportage umzusetzen. Sie startet im kommenden Jahr einen Fotoworkshop mit 100 Kindern im Operndorf Afrika, Burkina Faso. Vier Monate lang soll eine analoge Kamera der stete Wegbegleiter der Kinder sein, die das Medium selbstständig kennenlernen und eigene künstlerische Strategien entwickeln sollen. Durch darauf folgende Ausstellungen soll somit eine "unverbrauchte, unvoreingenommene Perspektive auf die Lebenswirklichkeit der Burkinabé Einzug in die Prägung der europäischen Ikonographie des schwarzen Kontinentes halten". Eine Zielsetzung, die sich für Marie Köhler nach einem ersten Besuch bereits im Kleinen erfüllt hat.

2 November 2012


© Tobias Bärmann

1 November 2012

Der Sturm und der Klick

Instagram brachte und bringt viele Vorteile, ebenso wie H&M viele Vorteile bringt, aber auch den Nachteil, dass der überlebenswichtige Distinktionsgewinn zwischen den Schichten und dem Alter durch Mode negiert wurde; ebenso wie das Mobiltelefon viele Vorteile hat, aber auch zu viele Menschen dazu animiert, das Private ins Öffentliche zu verlagern; ebenso wie das Medikament unsere Schmerzen lindert, aber unsere Leber und Niere auflöst. Nur drei Beispiele.

12 October 2012

Glück


© Tobias Bärmann

11 October 2012

Steak oder Gurke?

Die Bauchspeicheldrüse ist das Organ der Stunde. Es hatte kürzlich politische Relevanz und ihr Zustand bestimmte bereits den Aktienkurs einen US-amerikanischen Unternehmens. Doch vor allem und viel mehr hat es eine persönliche Dimension. Denn ihre Fehlhaftigkeit schafft es, entgegen einer militärisch korrekten, flächendeckenden Ausbreitung im Inneren, die Konturen des ihr zugeteilten – meist väterlichen - Äußeren zunächst zu radieren und dann ganz verschwinden zu lassen. So entstehen Lücken. Beispielsweise. Die Krankheit austauschbar.

27 September 2012

Listen


© Tobias Bärmann

26 September 2012

Nützliche Besessenheit

Das letzte Fließband in der Geschichte meiner Familie taucht in der Biografie einer Großmutter auf. Es befand sich im Rostocker Fischkombinat. Bis auf diese Tatsache und den dazu gehörigen Erinnerungen an jene Person bleibt dieser Produktionsprozess in den Gütern seit jeher verborgen. Es sei denn, dass dem Konsumenten in regelmäßigen Abständen investigativ offenbart wird, dass die Zukunft im Verzicht liegt. Bis dahin regieren illustrierte Entstehungsgeschichten vom falschen Erzähler und der Glaube daran.

11 September 2012

Ein Disneyland-Feeling

Am 31. Januar 2012 um 14.01 Uhr hat mich eine E-Mail mit dem Betreff "Hello from Bahrain" erreicht. Beim Öffnen zeigten sich drei Bilder von der Absenderin Danja Mathari, die beruflich dort weilte, und einem befreundeten Architekten, der nur auf die Insel geflogen ist, um Unterlagen für einen Wettbwerb abzugeben. So bestand die Ortserfahrung für ihn allein aus dem Grund der Reise. Für die Berliner Musikerin boten die Hotels in Abu Dhabi, Dubai, Kuwait-Stadt, Manama oder Maskat und Doha immerhin für einige Wochen Unterschlupf. Doch viel Zeit blieb nicht, sich auf Orte einzulassen, die hierzulande für ihre rasante Entwicklung, Traditionslosigkeit nach westlichem Verständnis, und aus diesem Grund vermeintliche Künstlichkeit bekannt sind. Was bleibt also in dem flüchtigen, durch Sonnebrillengläser gebrochenen, Bild hängen, das einen Platz in der Erinnerung bekommt?

5 September 2012

Urbanität und Natur


Los Angeles 2012, © Tobias Bärmann

3 September 2012

Weniger ist das neue Mehr

Ich bin mit 18 nach Hamburg gezogen. Dort habe ich in einem möblierten Dachgeschosszimmer in einem schmalen Einfamilienhaus gewohnt. Kleines Waschbecken in einem Teil des Wandschranks, Toilette eine Etage tiefer, Dusche im Keller. Position: geduldete Fremde, Gast, rechtlicher Status: Untermieter. Dementsprechend war mein Hausstand sehr klein: Bettwäsche, Kleidung, Handtücher, Drogerieartikel, ein paar Bücher, Stifte und meine Kamera.

Zwei Jahre später passte das alles, und von allem ein bisschen mehr, in zwei Kartons, einen Rucksack und eine Reisetasche. Die Kartons habe ich mit der Post an meine neue Adresse geschickt. Der Rest kam mit der Bahn – inklusive mir. Zielort eine 40 Quadratmeter große Einzimmerwohnung in Bochum, in der die Akustik fast zwei Jahre lang sehr gut sein sollte. Danach folgte ein allgemeiner Akt des Vollstopfens.

30 August 2012

Cat Meme


© Tobias Bärmann

29 August 2012

POP - Kultur & Kritik

Morrissey und Hebdige, Kriegsbilder, Energie und Burnout, Gedenken auf Facebook, Lady Gaga, Staat und Wall Street...

22 August 2012

Pleasure


Santa Monica Pier 2012, © Tobias Bärmann

20 August 2012

Immer wieder L.A.

L.A. ist keine Stadt, glaube ich. L.A. ist vielleicht eine Vorstellung von einer Stadt, die man in Europa nicht kennt. In der Mitte ist nichts.

L.A. kann das Synonym für die Summe aus Beton sein, oder für die Anzahl von Swimmingpools, Straßengangs oder eines Filmbudgets. L.A. ist vielleicht ein Versprechen, das Hollywood gemacht hat und nie erfüllen wird. L.A. sind Beschreibungen, gebündelt in einem imaginären Gespräch mit F. Scott Fitzgerald, Kenneth Anger und Tom Kummer. Oder ist L.A. ein Gefühl, ein abstraktes Bild, eine Erinnerung, ein Trauma, das einen nie mehr loslässt?

15 August 2012

New Era

San Francisco 2012, © Tobias Bärmann

13 August 2012

Ab in die Mitte

Vor ein paar Jahren war es Sasha Grey, im Moment ist es James Deen. Zwei Pornodarsteller, deren Namen plötzlich dazu dienen, um im Feuilleton mindestens zwei Spalten zu füllen oder Interview- und Bildstrecken für das Lifestyle-Segment zu liefern. Für Mainstream-Medien ist es wohl ein ökonomisch dankbares Miteinander zweier massenkultureller Systeme, auch wenn die Differenz zum Eigentlichen – der Pornografie im Vordergrund steht.

30 July 2012

Dienstleistung und Kunst

Was ein Künstler zu sein hat, ist gesetzlich geregelt. In Deutschland heißt es: "Künstler im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, ausübt oder lehrt." In Österreich ist Künstler, wer kunstschaffend ist. Alles scheint ganz klar. Für einen kurzen Moment. All die Fragezeichen sind verschwunden. Doch im Alltag – außerhalb von Gesetzestext, Künstlersozialkasse, Museum, Galerie und Auktion – schimmern die Wörter Kunst und Künstler klebrig im Sonnenlicht. Zu viele alte und neue Klischees haften daran. Ein Gespräch mit der jungen 'Künstlerin' Paran Pour. Sie lebt und arbeitet in Wien.

22 July 2012

Das Unentfliehbare

Wir können der Angst dankbar sein. Ein Angst auslösender Reiz wird wahrgenommen, klassifiziert und dazu benutzt, eine Reihe von Reaktionen des Organismus auszulösen. Wir schwitzen. Unser Puls geht schneller. Unser Herzschlag verstärkt sich. Wir bewegen uns. Wir bewegen uns schnell. Schneller als je zuvor. Jeder, der sich aufgrund eines bedrohlich erscheinenden Schlüsselreizes schon einmal bewegen musste, den stärker werdenden Schmerz in Beinen, Armen und Lunge ignorierte, rettete sich für einen Bruchteil einer Sekunde vor dem Gefühl der Angst, indem er sich erstaunt über die eigene körperliche Leistung gezeigt hat. Alles ist so klar. Und die Möglichkeit der Bewegung schlechthin, verweist uns auf die Eventualität des Überlebens. Wir bewegen uns weiter. Im besten Fall mit einem Ziel. Die Insel ist nah.

17 July 2012

"Und es war Sommer..."

Erst kürzlich stellte eine Sonntagszeitung die Frage, welches Geschlecht besser über Sex schreiben kann. Die Antwort darauf musste sich der Leser selbst geben. Auf der ersten Seite waren nur Textausschnitte zu sehen, die auf der Folgeseite dem entsprechenden Autor zugeordnet wurden. Zwar könnte man ebenfalls die Frage eröffnen, ob diese Themenwahl den Kultursommer eröffnen sollte, doch wie der geplante Zufall es will, könnte eine ähnliche Frage jetzt in Bezug auf "Shades of Grey" von E. L. James gestellt werden. Kann diese Frau über Sex schreiben? Doch die Diskussion über die literarische Qualität des Buches und der sprachliche sowie dramaturgische Umgang mit dem Thema scheint nicht der Auslöser des Hypes zu sein. Warum auch, denn bereits nach dem ersten Absatz wird deutlich, dass es hier nicht um Poesie geht, sondern um die lahme, ausufernde Ummantelung eines Themas, das immer Leser findet: Sex. Zur Sicherheit wird auf "BDSM" zurückgegriffen. Effektiv, könnte das Fazit lauten. Diese Effizienz bezieht sich dann weniger auf die körperlichen Reaktionen, sondern eher auf den Absatz des Buches, das in drei Teilen und mit einem unberührbaren Samtcover daherkommt. Gleichzeitig ist "Shades of Grey" jene "gateway drug" für angedrohtes Merchandising und Folgeromane. Vorreiterin für letzteres könnte dabei James selbst sein, denn angeblich soll die Autorin eine Trilogie aus Sicht des männlichen Protagonisten in Aussicht stellen. Doch mit Sicherheit sitzt irgendwo in Deutschland ebenfalls ein Autor und feilt unter einem Pseudonym an einem Tabuthema und dementsprechend an einem wohl durchdachten und vermarkteten Skandal, der dann in Relation zu "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche gesetzt wird. Zur Sicherheit sollte der Autor eine Frau sein.

8 July 2012

"Your Plant Is Here"

Der Mensch hat zu seinen Pflanzen eine ganz besondere Beziehung – so sagt man. Manche hegen und pflegen sie. Einige gießen nur. Gelegentlich wird mit ihnen gesprochen oder es wird ihnen Musik vorgespielt. Alles zum Wohle eines Organismus. Doch was, wenn die Yucca-Palme nicht mehr will, sie nicht mehr ins saisonale Dekor passt oder einfach vergessen wird und schließlich 'eingeht'? Die Entsorgung scheint zu einem persönlichen Problem zu werden. Der Hamburger Fotograf Tobias Bärmann wurde im Frühjahr 2010 erstmals auf 'ausgesetzte' Pflanzen aufmerksam, sammelte diese ein, hortete sie – zum Interesse der Nachbarn – auf dem eigenen Balkon und setzte sie schließlich in Szene. Seitdem heißt es "Your Plant Is Here".

28 June 2012

The Future of Art:
Der Spatenstich

15 June 2012

The Future of Art in Weimar

8 May 2012

Erik Niedling mit
Ingo Niermann
18.10.1973 – 29.02.2012

Wie wäre es, nur noch ein Jahr zu leben zu haben? Ohne an einer Krankheit zu leiden, ohne Hoffnung auf nur eine einzige Stunde mehr? Die durchschnittliche Lebenserwartung kann einem fälschlich vorgaukeln, noch zig Jahre vor sich zu haben. Die Annahme, es sei nur ein einziges, weckt auf aus einer trügerischen Sicherheit. Zugleich lässt sie anders als der dem Philosophen Seneca folgende Leitspruch “Lebe jeden Tag, als sei es dein letzter” genügend Zeit, noch einige größere Unterfangen in Angriff zu nehmen. Was kann und möchte man in diesem begrenzten Zeitraum noch erleben? Welche Ziele sich noch stecken? Was bleibt unerreicht?

4 May 2012

Gibt es die moderne Säule?

Das Wort Säule wirkt beim Aussprechen, gleich von Beginn an, also noch bevor sich der Mund eigentlich öffnet, mächtig und schwer. Die Geschichte scheint zu alt zu sein, die sich mit diesem Baukörper verbindet. Die Auswirkungen auf die Redensarten tun ihr übriges: Von den Säulen der Gesellschaft über die Säulen des Erfolgs bis hin zu den Säulen der Altersvorsorge werden somit stets bedeutende Aspekte hervorgehoben. Selbst der Mensch kommt nicht ohne Säule aus.

30 April 2012

Fallen Temples

Gottfried Sempers Kulissendepot in Wien steht im Mittelpunkt der Arbeit "Fallen Temples". Durch räumliche Intervention nehmen Paran Pour und Anna Spanlang auf den Ausstellungsraum, sowie seinem Umraum Bezug.

29 April 2012

Choose Drill / Drill Dich

First paragraph excerpt from, Nº 034, Ingo Niermann – Choose Drill, Introduction: Chus Martínez

18 March 2012

"Visualisierung von Politik"

Ende Juli 2012 werden die Olympischen Sommerspiele in London eröffnet. Von diesem Ereignis kündet bereits der Umbau des East-End-Viertels oder die Positionierung von riesigen Olympischen Ringen auf der Themse, die während der Spiele neben einem Kriegsschiff der Royal Navy schwimmen werden. Beispiele für das stete Spannungsfeld zwischen sportlichem Wettkampf, propagierter Transnationalität, staatlichem Prestige und - vielleicht - einer noch unbekannten Gefahr. Mit dem Ereignis geht folglich die Frage einher, wie und für welche politische Botschaft sich London inszenieren wird. Das Ereignis ist Grund genug, einen Blick auf die deutsche Olympia-Geschichte zu werfen. Eva Maria Gajek von der Justus-Liebig-Universität Gießen diskutiert in ihrer Dissertation "Kulturelle Re-Integration? Die Olympischen Spiele von Rom (1960) und München (1972) als transnationale Medienereignisse" die Frage, wie Italien und die Bundesrepublik nach 1945 die Olympischen Spiele zur politischen Selbstdarstellung nutzten. Ein Gespräch über nationale Selbstbilder, Terrorismus und Fernsehen, das IOC als Dynamo für politische Prozesse und die weinende Katharina Witt.

19 February 2012

Beim Schälen einer Kokosnuss

Zu Beginn, also bis spätestens eine Woche vor offizieller Publikation des neuen Romans von Christian Kracht "Imperium", war alles wie immer. Erste Hinweise zu dem neuen Buch in kurzen Abrissen zur Frühjahrsliteratur, hin und wieder das Wort Kokosnuss, oder hier und da ein wohlwollendes Portrait des schweizerischen Schriftstellers. Gut positionierte Häppchen, die den geneigten Leser Appetit machen sollten, auf das, was kommen mag. Routinierte, gut angelegte Printpromotion.

17 February 2012

Erik Niedling: Ich mag

Der Künstler Erik Niedling lebt vom 1. März 2011 bis zum 29. Februar 2012 einer von Ingo Niermann entworfenen Anweisung folgend ein Jahr lang, als sei es sein letztes. Mit einer Bearbeitung von Volker Lechtenbrinks Lied "Ich mag" bedankt er sich bei allen, die ihm das Jahr über zur Seite standen.

15 January 2012

"Und dann kann man vielleicht auch aufhören"

Es wird gesagt, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Das gilt vielleicht als Idee, oder für eine gewisse Anzahl von Momenten. Für junge Bands beinhaltet ein Anfang jedoch Zeitlosigkeit als eine Form von Zeitmanagement, die Dominanz der linken Seite des Kontos im Gegensatz zur rechten, gepaart mit langen Fahrten, unnötigen Strafzetteln, geteilten Zimmern und Leben, sowie manchmal schlechtem Bier. Die Düsseldorfer Elektroband Susanne Blech hat den vermeintlichen Zauber des Anfangs erlebt und die gravierenden Schrecken bisher überlebt. Denn trotz aller Auflösungsversuche erscheint das zweite Album "Triumph der Maschine". Ein Interview über des Live-spielen-müssen als Erfolgskonzept, das zudem den Beweis liefert, dass bei jedem Anfang vor allem eins dominiert: das Ende. Es spricht der Sänger Timon Karl Kaleyta - wie immer im Stakkato.