23 December 2010

The Future of Art

Die Kunst hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen nie dagewesenen Boom erlebt. Seit dem Einsetzen der Weltfinanzkrise ist es damit vorbei. Die bisherigen Erfolgsmodelle stehen auf dem Prüfstand. An diesem Punkt trifft Ingo Niermann den Künstler Erik Niedling und erzählt ihm von seiner Idee, Künstler zu werden und den Gral der modernen Kunst zu finden. Gemeinsam begeben sie sich auf große Reise, um namhafte Künstler, mächtige Galeristen, Großsammler und Museumsdirektoren zu treffen. Sie sollen erklären, wie der Kunstbetrieb funktioniert und was man tun muss, um als Künstler erfolgreich zu sein. Im Verlauf des Films entwickelt Ingo Niermann die Idee für ein epochales Kunstwerk.

Mit: Marina Abramovic, Thomas Bayrle, Olaf Breuning, Lady Jaye and Genesis Breyer P. Orridge, Olafur Eliasson, Harald Falckenberg, Boris Groys, Damien Hirst, Gregor Jansen, Terence Koh, Gabriel Loebell, Marcos Lutyens, Philomene Magers, Antje Majewski, Hans Ulrich Obrist, Thomas Olbricht, Friedrich Petzel und Tobias Rehberger.

Regie: Erik Niedling & Ingo Niermann
Idee: Ingo Niermann
Produktion: Erik Niedling
Kamera: Christian Görmer
Schnitt: David Adlhoch
Musik: Katrin Vellrath
Farbkorrektur: Maik Bluhm
Tonmischung: Frithjof Rödel

Dokumenation, 157 min., HD, 2010
Jetzt komplett online auf 3min.de.

Im Frühjahr 2011 erscheint bei Sternberg Press "The Future of Art. A Manual" (Buch/DVD - englisch) mit Langfassungen der Interviews sowie einer Fortsetzung im Thüringer Wald.

15 October 2010

Don’t judge a Book by its Cover or Mustache!

Ein Werk in einem roten, signalfarbenen Schutzumschlag ist auf Deutschlands Buchmarkt eingeschlagen. Boom!

Ein Buch, eine Farbe, ein Zustand!

Denn gemäß den Kaufzahlen ist zu vermuten, dass die Farbe Rot den gleichen Kaufreiz ausgelöst hat, wie es die Frischeabteilung am Eingang eines Supermarktes vermag, oder das Wort „Neu“ auf einem Produkt.

Das Buch - also - ein Schlager, dessen Hitgarantie das Symptom markiert! Es wird gesungen, gelallt, auch ohne Englischkenntnisse.

Obwohl das jeder weiß, wurde eine Lesedebatte entfacht.

Frank Schirrmacher schrieb: „Es ist sechshundertfünfzigtausend Mal verkauft worden, und es wird wahrscheinlich vor Weihnachten die Eineinhalbmillionenmarke erreichen. Bei einem Buch, das verliehen und weitergegeben wird, heißt diese Zahl, dass es dann von an die zwölf Millionen Menschen gelesen worden sein kann. Es hat Vergleichbares noch niemals gegeben.“

„Gelesen worden sein kann“.

Der Kauf eines Buches bedingt nicht das Lesen - sei es nach einem Tag, einer Woche, nach einem erfüllten Leben. Oftmals hat die Existenz eines Exemplars die Funktion eines Stellvertreters. Doch in dieser Funktion ist es kein Verweis auf ein Problem oder eine Idee, sondern erinnert an die liebevolle, detailreich, multimedial geführte Rede über die Farbe eines Buches.

Doch - oh je - woher soll man denn nun das Wissen nehmen, ob ein Buch gelesen wurde?

Knicke, Wölbung des Buchrückens, eine leichte Verschiebung des Buchdeckels, Hautfett an den Seiten, Kaffeeflecke, Essensreste, Unterstreichungen, Bleistiftnotizen, das helle Aufleuchten eines Textmarkers, die Abwesenheit des ursprünglichen Geruchs durch häufiges Öffnen und Durchblättern

Leider - ja leider - kann dieser Used-Look wie bei einer Jeans künstlich herbeigeführt werden.

Hilft letztendlich nur der Lektüretest, wie zu Beginn eines Seminars? Sollte eine Ausgabe von Königs Erläuterungen synchron veröffentlicht, ein Eintrag im Kindler gefordert, oder der Verlauf der Debatte im üblichen Schema eines Dramas offen gelegt werden?

Die Lösung liegt wie immer im Bluff: „Sie müssen mindestens drei Kapitel des Buches gelesen haben, um diese Seite zu besuchen. Bitte kreuzen Sie „JA“ oder „NEIN“ in dem Kontrollfeld an.“ Funktioniert in ähnlicher Form auf YouPorn auch.

12-Jährige können nicht irren.

3 October 2010

Thomas Demand at its best?

Auch wenn auf diesem 'Pressefoto' 'Menschen' zu sehen sind, wirkt es so echt wie eine Miniatur des Hobbybastlers Demand. Der Geruch von Klebstoff űberall. Und ein wenig Blut am Finger.

Einheit

27 September 2010

Was sind das für Scheißer?*

Auf dem Weg zum Duisburger Innenhafen schallte aus den vorderen Lautsprechern eines schon etwas älteren Fords das Programm von „1Live“.

Es war kurz nach 21 Uhr. Kulturzeit. (Wenn es so etwas überhaupt gibt, denn meistens ist damit die Frage impliziert „Kultur-, was?“.)

Ein Sprecher stellte „Das Weiße Buch“ von Rafael Horzon vor, wobei er das „z“ im Nachnamen außerordentlich sanft aussprach und in Anbetracht einer Äußerung von Horzon über „Das Grüne Buch“ von Brillenliebhaber Gaddafi sehr darum bemüht war, weiterhin sachlich und schlau zu argumentieren, galt es doch einen weiteren Pressetext zu vertonen, der keine Blödelei vorsah. (Der Hörer im Fond konnte seine Irritation über so viel Humorlosigkeit seitens des Moderators nicht verbergen.)

Fazit, dennoch: „Supergut“! (Um hier noch schnell - wahrscheinlich falsch zitiert - jenes lustige Wort zu verwenden, das Volker Weidermann in einer Kurzrezension zu Horzons Buchs bemühte.)

Auf der Rückfahrt füllte nun Klaus Fiehe seine dreistündige Nische und das ist auch ohne John Peel-Vergleich immer noch gut.

Ein paar Menschen hatten vor mehreren Jahren das Glück, Klaus Fiehe kennen lernen zu dürfen. Nach zahlreichen Aufeinandertreffen und Anekdoten zu den Englischkenntnissen eines H.P. Baxxters 2009 dann - im Rahmen von irgendetwas - die Gelegenheit zum Besuch: "Radio. Pop. Botanik." oder "Klaus Fiehe hätte gelacht".

Klaus Fiehe - Radio.Pop.Botanik. from Timon-Karl Kaleyta on Vimeo.

(*Ich + Ich)

9 September 2010

Lospartei, los!

Der europäische Gerichtshof hat das staatliche Lotteriemonopol aufgehoben. Damit ist der Weg frei für die Gründung der 2006 in "Umbauland" skizzierten Lospartei.

28 August 2010

"Unsere Schlachten"

"Ingo Niermann und Alexander Wallasch haben den großen Pop-Roman über die Kriegs-Heimkehrer unserer Tage geschrieben."

"Es ist der erste große Roman über deutsche Afghanistan-Heimkehrer. Und es könnte ein neues Kapitel in der deutschen Gegenwartsliteratur aufschlagen... Niermann und Wallasch erzählen voller Wut und Witz von einer traumatischen Realität, die wir gerne wegmoderiert und austherapiert haben möchten... Die Autoren legen den Finger in die Wunde, und das tut eben weh. Ob man sich nun darüber aufregt und die Autoren verwünscht - das Buch sollte man lesen. Und wenn es nicht einschlägt wie eine Bombe, dann hat es damit zu tun, dass wir noch nicht reif sind für die kalte Wahrheit unseres Krieges, die uns Ingo Niermann und Alexander Wallasch vor die Füße werfen."

Christopher Schmidt, SZ Wochenende, S. 1

"Deutscher Sohn" erscheint am 4. September

23 August 2010

People from Bielefeld


23 July 2010

Blindwahl


Deutscher Sohn erscheint am 4. September, aber seine Stimme für die Hotlist 2010 kann man nur noch bis zum 10. August abgeben. Trotzdem, es lohnt sich. Falls wir gewinnen, gibt's eine große Party mit Freibier, gesponsert von Adelskronen.

30 June 2010

D.


7 June 2010

Erik Niedling Redox


Eröffnung 11. Juni, 18 Uhr
Hamish Morrison
Heidestraße 46 - 52
Berlin

Link

23 March 2010

Inter view


"New Journalism war für uns eine Wurzel."
(Peichl, 2000)

Die Wahrheit der Medien

"Ich glaube nicht, daß Wahrheit das zentrale Moment der Medien sein kann. Die Meldungen müssen ja auch zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein. Jeden Morgen muß eine Zeitung vorliegen, jede Sendeminute im Fernsehen muß gefüllt sein. Ich denke, daß eine Kommunikation, die auf Wahrheit spezialisiert ist, nicht unter Zeitdruck stehen darf. Man weiß ja nicht, wie lange man prüfen muß. Schon im 17. Jahrhundert gab es übrigens ein Theaterstück über einen Menschen, der eine Zeitung gründete, die jede Woche erscheinen sollte. Im Fortgang der Handlung wurde dann gefolgert, daß da nur Lügen drin stehen können, denn, so dachte man damals, es passiert ja nicht jede Woche etwas."
Niklas Luhmann 1996 im Interview mit bzw. von Dirk Knipphals und Christian Schlüter

18 March 2010

Shortlist Scotland's Book of the Year 2010


Glückwünsche! Momus' 'Solution 11-167: The Book of Scotlands' steht auf der Shortlist für das diesjährige 'Scotland's Book of the Year'.

28 February 2010

"Die schönsten Schweizer Bücher"


Als eines der 30 schönsten Schweizer Bücher des Jahres 2009 wurde die englische Ausgabe von 'Umbauland' gewählt. Gestaltet vom doppelt-nominierten Zak Kyes, erschienen in der Solution-Reihe, Sternberg Press.

Amazon

26 February 2010

Norbert B.

Im Buch 'Minusvisionen' heißt er nur Norbert B., doch war er mit jeder Suchmachine sofort als Norbert Bleisch zu entschlüsseln. Mittlerweile heißt er Norbert Leithold und hat sich mit Büchern über Friedrich den Großen und Graf Goertz hervorgetan. Mit letzterem wurde er laut Interview in Die Welt dieses Jahr für den Leipziger Buchpreis nominiert, doch die Nominierung wurde wieder zurückgezogen. Grund könnte nicht nur seine Vergangenheit als zu einer Haftstrafe verurteilter Pornofilmer, sondern auch sein 2007 erschienener Roman 2040 sein, den es bei pi-news.at ('pi' wie 'politically incorrect' = "proamerikanisch, proisraelisch, gegen die Islamisierung Europas") als kostenlosen Download gibt.

9 February 2010

Altklug

Echtheit gibt's nicht, nur Originalität.

8 February 2010

Jenseits der Bettlägerigkeit

Frank, so heißen Geographie-Lehrer oder Bestseller-Autoren.

Frank Schätzing ist einer von der zuletztgenannten Sorte, der nicht nur auf Bestseller-Listen brilliert, sondern auch als Moderator der missglückten ZDF-Doku "2057 - Unser Leben in der Zukunft" fungierte und einige Jahre später bei der Goldenen Kamera für die Kategorie "Abenteuer Wissen" als gewandter Laudator mit noch aussagekräftigerem Jacket agierte.

Zurzeit zieht Schätzing auf dem Cover des Lifestyle-Magazins der Deutschen Bahn "mobil" die Blicke auf sich und animiert zum Einstecken eines Exemplars (das letzte Mal geschehen als Phil Collins auf dem Cover war und etwas über Die Große Pyramide berichtet wurde). Und wenn Schätzing demnächst auch im RE1 von Aachen nach Hamm auf Promotour gehen könnte, und somit eine interessante Ergänzung zu den häufigen Lesediskussionen seines Werkes wäre, sei an dieser Stelle noch einmal an seine schönste Seite erinnert: Er für Me, Myself & Mey.

Und was hält 'man' davon? Antwort darauf gibt Christine Dössel: "Dieser Frank Schätzing! Entweder ist er der sagenumwobene Mann im Mond - oder einfach nur zu gut, um wahr zu sein."

Selbstvermarktung ist keine Krankenakte mehr, könnte man meinen.

1 February 2010

Ursache und Folge

"Während die Preußen Paris bombardierten, las ich Goethe. Die Librairie Hachette hatte mit vor der Belagerung eine Übersetung seiner Sämtlichen Werke geschickt, damit ich sie in einer Zeitung bespräche, und zwischen zwei Wachen las ich immer wieder darin, um sie mir anzueignen oder dem Vergessen zu überantworten, einer Ansicht folgend, die ich da und dort schon zum Ausdruck gebracht habe, aber zu flüchtig und zu knapp, denn dieser Mann verdient es wohl, daß man sich einmal die Zeit nimmt, ihm ein paar gezieltere, härtere, tiefgehende Schläge zu versetzen... Nun, hätten Sie es gedacht? - Ja, Sie würden es glauben, wenn Sie Goethe gelesen hätten - dieser große Goethe langweilte mich... Er bombardierte mich mit Langeweile! Von allen deutschen Geschossen, die über meinen Stadtteil niedergingen, waren die Sämtlichen Werke für mich das schwerste. Aber gestatten Sie mir, bevor wir zu urteilen beginnen, eine Frage, und zwar eine sehr französisiche Frage: Kann man sein, was als ein Mann von Genie bezeichnet wird, und zugleich langweilig sein? Und wenn man ein unerhörtes Genie ist, kann man dann unerhört langweilig sein?" (Jules Barbey d´Aurevilly, Gegen Goethe)

22 January 2010

Dies ist keine Karikatur



20 January 2010

Die Grosse Pyramide
Der Film

Die Grosse Pyramide - Der Film
Dokumentarfilm
Regie: Frauke Finsterwalder
Deutschland 2010

Screenings beim Max-Ophüls-Preis 2010 Saarbrücken:
Do 21.01. 17:00 Cinestar 2 (Premiere)
Fr 22.01. 17:00 Cinestar 5
Sa 23.01. 11:00 Cinestar 2

Web: pyramide-film.de

18 January 2010

Zurück in der Realität

Ach, dieser Zweizeiler in der Überschrift dort unten. "They had made a movie about us". Fürchterlich, auch wenn es sich gemäß dem twitter-Account von Bret Easton Ellis um die erste Zeile des neuen Romans handeln soll, der im Sommer auf Englisch erscheint. (Anmerkung: Es interessiert nicht, ob es sich dabei um ein realistisches oder ästhetisches twitter-Profil handelt, denn die Realität lenkt zu oft ihren Fokus auf ihre Form. Die Zeichen werden spürbar, die Ästhetik erfahrbar. Achten Sie nur einmal darauf.) Statt der Doppelzeile also, die dieses Blogformat erzwingt, hätte ein Wort genügen müssen – vielleicht auch zwei. Nur treffend hätten sie sein sollen, auch ohne Verbindung zueinander.

Aber:

Das Schlagwort – so scheint mir - weint seiner Begriffshoheit hinterher, seitdem tags an Seiten gehängt werden, der Etikettierer auf Hochtouren semantische Sonderpreise hinterlässt.

Doch:

Zu unserem Vorteil lösen sich somit nicht nur starre Hierarchisierungen auf, sondern keiner schenkt mehr der Funktion des tags Bedeutung. Endlich erkennt man, dass die tagcloud weniger der Navigation als der Rhetorik dient. Endlich erkennen wir die Schönheit einer Rechnung in Höhe von 222 oder 333 Euro. Endlich fordern uns Listen wieder heraus, die Dinge neben- und gleichordnen. Endlich stört die anfängliche Bezuglosigkeit zwischen Überschrift und Bild nicht mehr.

Den semiotischen Dauerdruck lieben lernen.

Und man muss dabei nicht einmal eine Schildkröte vergolden.

5 January 2010